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Eigenes Trinkwasser aus dem Wald

Sich sicher sein ist gut - Kontrolle manchmal besser
31. Juli 2026 durch
Richtsfeld GmbH, Martin Richtsfeld
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Das Telefon klingelte an einem Dienstagnachmittag. Ein guter Freund, komplett aufgelöst. Sein offizieller Wasserqualitätstest war endlich da — er hatte extra lang gewartet, weil die erste Email mit dem Ergebnis verloren gegangen war. Ob ich vorbeikommen könnte, er wisse nicht weiter.

Auf dem Weg zu ihm schwelgte ich noch in…

…Tagträumen

Sechs Jahre Weltreise. Über zwanzig Länder. In nur vier davon konnten wir bedenkenlos Leitungswasser trinken. Überall sonst: Plastikflaschen, Chlorgeruch, oder einfach ungenießbar bis giftig.

Auf Fiji befindet sich eine der reinsten Quellen der Welt. Fiji Water — eines der teuersten und bekanntesten Mineralwässer, in jedem Supermarkt von New York bis Tokio erhältlich. Was die wenigsten wissen: Die Bevölkerung auf Fiji selbst hat kein trinkbares Leitungswasser. Das Wasser wird aus der Erde geholt, in Plastik gefüllt, um die Welt geschickt — und die Menschen, deren Land es ist, bekommen nichts davon.

Auf Bali gibt es viele Quellen. Das Wasser dort ist gut — klar, sauber, lebendig. Aber bereits wenige Meter weiter: verdreckt, vermüllt, nicht trinkbar. Dasselbe Land, dasselbe Klima. Der Unterschied ist nicht Geologie. Der Unterschied ist Bewusstsein — oder dessen Fehlen.

In Ecuador gibt es oben in den Bergen noch gutes Wasser. Aber bereits das erste Dorf auf dem Weg nach unten verunreinigt den Fluss. Das zweite Dorf kann es nicht mehr trinken. Nicht aus Böswilligkeit. Niemand hat ihnen erklärt, dass Wasser ein verletzliches Gut ist. Das was man oben hineinschüttet, kommt unten an.

In Prag und Paris — mitten in Europa — ist Leitungswasser trinken keine Option. Zu viel Chlor. Also entweder filtern oder in Plastikflaschen kaufen.

In all diesen Jahren war ich jedes Mal froh, nach Österreich zurückzukommen — um das gute Wasser und die gute Luft zu genießen. Für uns eine Selbstverständlichkeit, für die meisten purer Luxus.

Warum Österreich so ein Glücksfall ist

Was macht österreichisches Wasser eigentlich so besonders? Die Antwort liegt tief im Boden.

Die Nördlichen Kalkalpen sind eines der wasserreichsten Gebiete Europas. Regenwasser versickert durch Kalkstein und Dolomit, wird über Jahrzehnte gefiltert und tritt als klares Quellwasser wieder ans Tageslicht. Wien trinkt seit 1873 aus Hochquellenleitungen, die das Wasser schwerkraftgetrieben über 100 Kilometer aus dem Schneeberg- und Rax-Gebiet in die Stadt bringen. Fast 99% des österreichischen Trinkwassers kommt direkt aus Grund- und Quellwasser, meist ohne jede Aufbereitung. Rund 10% der Österreicher versorgen sich aus eigenen Quellen oder Brunnen.

Hier dreht man den Hahn auf und trinkt. Das ist selbstverständlich. Das ist normal. Dachte ich…

Der Hof eines Freundes im Mühlviertel

Bei ihm angekommen, zeigte er mir sein Wassersystem — Brunnen, Bohrloch, Zwischenbehälter, Sammelbecken, alles ziemlich komplex. Das Mühlviertel liegt auf uraltem Granit und Gneis, Teil der Böhmischen Masse, geologisch eines der ältesten Gebiete Österreichs. Dieses Urgestein filtert das Wasser anders als Kalkstein — weicher, weniger mineralisiert, aber auch anfälliger für oberflächennahe Einträge.

Er war überzeugt gewesen, dass sein Wasser fantastisch sein muss, da es direkt aus einer Waldquelle kommt. Hin und wieder hatte er Wasserknappheit, die er erst dann bemerkte, wenn im Haus kein Wasser mehr kam, aber das führte er auf teilweise verschwenderischen Verbrauch zurück.

Dann kam der Tag, an dem er doch einen Wasserqualitätstest machen wollte.

Eine Formalität, dachte er. Innerlich war er sicher, dass das Ergebnis passen würde.

Dann kam der Wassertestbericht

Enterokokken. E. coli. Bakterien.

Wir starrten auf den Bildschirm. Hilflos. Was jetzt? Wen fragen? Wo anfangen? Das Wasser, das alle für selbstverständlich hielten — das Wasser, über das ich froh gewesen war, während ich in Fiji zusah wie es abgefüllt und um die Welt verschickt wurde während die Einheimischen keines hatten — dieses Wasser hier war nicht gut.

Es sah gut aus. Es roch gut. Es schmeckte auch meistens gut.

Das war der Moment, in dem ich anfing, Fragen zu stellen. Nicht nur über das Wasser auf seinem Hof — sondern über Wasser generell. Über den Unterschied zwischen dem, was wir annehmen — und dem, was wirklich ist.

Dieser Unterschied, so stellte ich fest, ist größer als die meisten Menschen ahnen.

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